Militärexperte Christian Mölling im Interview mit der „Tagesschau“
Der Geopolitik- und Militäranalyst Christian Mölling äußerte sich in einem Interview mit der „Tagesschau“ zur sicherheitspolitischen Lage in Europa und zu möglichen Bedrohungsszenarien durch Russland.
Hintergrund der Debatte ist unter anderem die Entscheidung der USA, vorerst keine Marschflugkörper in Deutschland zu stationieren. Diese Absage hat innerhalb der Bundesregierung eine neue Dynamik ausgelöst: Berlin prüft verstärkt den Aufbau eigener militärischer Fähigkeiten, um eine glaubwürdige Abschreckung sicherzustellen. Ziel ist es, unabhängiger von externen Sicherheitsgarantien zu werden und gleichzeitig die Verteidigungsfähigkeit Europas zu stärken.
Ein Regierungssprecher wies in diesem Zusammenhang auf die strategische Bedeutung der russischen Exklave Kaliningrad hin. Dort sind bereits moderne Waffensysteme wie Iskander-Raketen stationiert, die aufgrund ihrer Reichweite große Teile Europas erreichen können. Diese Entwicklung wird von westlichen Sicherheitskreisen als ernstzunehmende Herausforderung bewertet, da sie das militärische Gleichgewicht in der Region beeinflusst.
Mölling betonte, dass die Stationierung solcher Systeme kein Zufall sei, sondern klaren militärischen Kalkülen folge: „Russland stellt keine Raketen nach Kaliningrad, also besonders nah an die NATO-Grenze ran, wenn es keinen militärischen Zweck hätte, das könnte man sich nicht leisten“. Die Präsenz moderner Raketensysteme in Kaliningrad könne sowohl als Abschreckung gegenüber der NATO als auch als Druckmittel in politischen Verhandlungen interpretiert werden. Für Deutschland und Europa bedeute dies, ihre sicherheitspolitischen Konzepte weiterzuentwickeln – nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch und wirtschaftlich.
Insgesamt verdeutlicht die Debatte, wie stark sich die sicherheitspolitische Lage in Europa verändert hat. Fragen der Abschreckung, Verteidigungsfähigkeit und strategischen Autonomie rücken zunehmend in den Vordergrund – mit weitreichenden Konsequenzen für die zukünftige Ausrichtung der europäischen Sicherheitspolitik.

