Gabriel Felbermayr im Interview mit „WISO“
Gabriel Felbermayr, seit dem 1. Oktober 2021 Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Wien sowie Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), äußerte sich in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „WISO“ zur Zukunft der Alterssicherung in Österreich und Deutschland.
Dabei verwies er auf die unterschiedlichen Reformansätze beider Länder zu Beginn der 2000er-Jahre. Während Deutschland verstärkt auf den Ausbau der privaten Altersvorsorge setzte, um die gesetzliche Rentenversicherung zu entlasten, entschied sich Österreich gegen diesen Weg. Stattdessen konzentrierte man sich auf Reformen innerhalb des bestehenden staatlichen Pensionssystems und hielt an dessen zentraler Rolle fest.
Felbermayr sieht das österreichische Modell jedoch nur bedingt als Vorbild für Deutschland. Zwar profitieren österreichische Pensionistinnen und Pensionisten im Durchschnitt von höheren Leistungen, doch auch das österreichische System steht aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Nach Einschätzung des Ökonomen wird der Staat künftig zunehmend gezwungen sein, das System durch höhere Budgetzuschüsse zu stabilisieren.
„Die Nachhaltigkeit des österreichischen Pensionssystems ist mitnichten besser als die Nachhaltigkeit des deutschen“, betont Felbermayr. Damit widerspricht er der häufig vertretenen Ansicht, Österreich verfüge über ein langfristig deutlich robusteres Rentensystem als Deutschland.
Gabriel Felbermayr zählt zu den renommiertesten Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum. Vor seinem Wechsel nach Wien war er Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Seine Forschungs- und Beratungsschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen internationale Handelspolitik, europäische Integration, internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Global Governance sowie deutsche und europäische Wirtschaftspolitik. Aufgrund seiner Expertise wird er regelmäßig als Berater von Regierungen, internationalen Organisationen und wirtschaftspolitischen Institutionen konsultiert.

