Marcel Fratzscher im Interview mit dem „ARD-Mittagsmagazin“
Der renommierte Ökonom Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), äußerte sich in einem Interview mit dem „ARD-Mittagsmagazin“ kritisch zum von der Bundesregierung beschlossenen Tankrabatt, der ab dem 1. Mai für einen Zeitraum von zwei Monaten gelten soll. Seiner Einschätzung nach kommt diese Maßnahme vor allem einkommensstärkeren Haushalten zugute, während Menschen mit geringem Einkommen kaum profitieren. Der Grund dafür liegt darin, dass viele von ihnen gar kein eigenes Auto besitzen und somit von niedrigeren Kraftstoffpreisen nicht direkt entlastet werden.
Darüber hinaus wies der Wirtschaftsexperte auf die grundsätzliche Herausforderung hin, vor der Deutschland und andere Länder aktuell stehen: Die verfügbaren Energie-Ressourcen sind begrenzt, insbesondere im Bereich von Öl und Gas. Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, dass die Gesellschaft ihren Energieverbrauch deutlich reduziert. „Wir müssen verstehen, wir müssen als Gesellschaft 10-15% Energie, Öl und Gas einsparen, weil es einfach weniger vorhanden ist“, so Marcel Fratzscher.
Als Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitglied im Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft unterstreicht Fratzscher damit die Dringlichkeit eines strukturellen Umdenkens. Neben kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen brauche es langfristige Strategien, etwa den Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz und gezielte Unterstützungsprogramme für Haushalte mit niedrigen Einkommen, um sowohl soziale Gerechtigkeit als auch wirtschaftliche Stabilität sicherzustellen.

