Wolfgang Ischinger zu Gast bei „Maybrit Illner“
Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, war kürzlich in der politischen Talkshow „Maybrit Illner“ zu Gast. Dort diskutierte er gemeinsam mit weiteren Experten – unter anderem dem Militärexperten Frank Sauer – über die außen- und sicherheitspolitische Neuausrichtung Deutschlands im Kontext des Ukraine-Kriegs.
Im Mittelpunkt der Debatte stand die von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine. Diese soll die bisherigen Beziehungen deutlich vertiefen und auf eine neue, langfristig angelegte Grundlage stellen. Nach gemeinsamen Regierungskonsultationen im Kanzleramt erklärten Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass beide Länder ihre bilaterale Zusammenarbeit künftig umfassender gestalten wollen – politisch, wirtschaftlich und insbesondere im sicherheitspolitischen Bereich.
Deutschland nimmt dabei bereits jetzt eine zentrale Rolle ein: es gilt als wichtigster Unterstützer der Ukraine innerhalb Europas, sowohl finanziell als auch militärisch. Vor diesem Hintergrund wurde in der Sendung auch die Frage diskutiert, ob Deutschland innerhalb Europas zunehmend eine Führungsrolle übernimmt – und ob andere europäische Staaten diese Rolle akzeptieren oder sogar erwarten.
Wolfgang Ischinger ordnete diese Entwicklung differenziert ein. Er betonte, dass sich das europäische Selbstverständnis in den vergangenen Jahren grundlegend verändert habe. Lange Zeit sei die Unterstützung der Ukraine vor allem als Akt der Solidarität verstanden worden. Inzwischen jedoch wachse das Bewusstsein, dass es dabei um weit mehr gehe: um die eigenen sicherheitspolitischen Interessen Europas.
„Wir haben irgendwann begonnen, zu erkennen, dass es um uns selber geht. Die Interessen Europas, die Freiheitsinteressen Europas, unsere Art frei zu leben, die Selbstbehauptung Europas“, erklärte Ischinger. Es gehe letztlich um die Fähigkeit Europas, sich selbst zu behaupten und seine politische sowie gesellschaftliche Ordnung zu verteidigen.
Diese Einschätzung verweist auf eine tiefgreifende Verschiebung in der europäischen Sicherheitsdebatte. Die Unterstützung der Ukraine wird nicht mehr nur als außenpolitische Maßnahme gesehen, sondern als Teil einer umfassenderen Strategie zur Sicherung von Stabilität, Demokratie und Freiheit auf dem Kontinent. In diesem Kontext könnte Deutschland – nicht zuletzt aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und seines Engagements – tatsächlich stärker in eine Führungsposition hineinwachsen, auch wenn diese Rolle innerhalb Europas weiterhin sensibel diskutiert wird.
Wolfgang Ischinger, Präsident des Stiftungsrats der Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz, zählt zu den Spitzendiplomaten der Republik und ist ein gefragter Redner zu Außen-, Sicherheits- und Geopolitik.

